Nachruf Leo Montada (ZPID)
Am 1. Mail 2026 ist Prof. Dr. Leo Montada im Alter von 88 verstorben. Leo Montada hat das Leibniz-Institut für Psychologie (ZPID) – damals noch die Zentralstelle für Psychologische Information und Dokumentation – von 1979 bis 2004 geleitet, also heute kaum noch vorstellbare 25 Jahren. Er übernahm das Amt von Prof. Dr. Günther Reinert und übte es flankierend zu seiner Tätigkeit als Lehrstuhlinhaber für Entwicklungspsychologie an der Universität Trier nebenamtlich aus. Das bedeutete jedoch nicht, dass das ZPID für ihn eine Nebensache gewesen wäre; vielmehr hat ihm das Institut seine heutige Verfasstheit zu großen Teilen zu verdanken. Seinen politischen Bemühungen ist es geschuldet, dass die 1971 gegründete Zentralstelle nach Jahren der unsicheren Projektfinanzierung im Jahr 1988 nach Begutachtung durch den Wissenschaftsrat in die sogenannte „Blaue Liste“ der Bund-Länder-Förderung aufgenommen und 1997 nach erneuter Begutachtung Gründungsmitglied der Leibniz-Gemeinschaft wurde, der das Institut auch heute noch angehört.
Unter seiner Leitung wurde die für das Fach Psychologie im deutschsprachigen Raum einschlägige und bis heute weit verbreitete Literaturdatenbank PSYNDEX in einem zur internationalen Datenbank APA PsycInfo® der American Psychological Association kompatiblen Format ins Leben gerufen. Während Leo Montadas Amtszeit vollzogen sich rasante technische Entwicklungen, die entsprechende Anpassungsleistungen erforderte; die Informationsvermittlung bewegte sich von gedruckten lexikonartigen Bänden über die CD-ROM zum internetbasierten Zugang. Leo Montada sah früh die Notwendigkeit, neben der bewährten Infrastruktur professionelle IT-Kompetenzen am ZPID zu etablieren und er nahm die notwendigen Weichenstellungen vor. Das Institut wuchs im Laufe seiner Amtszeit auf das Dreifache seiner ursprünglichen Größe an.
Neben seinen einschlägigen Arbeiten im Bereich der Entwicklungspsychologie beschäftige sich Leo Montada auch früh mit der Wissenschaftsforschung und der Szientometrie – was heute im ZPID als Forschungsbereich für Psychological Metascience weiterbetrieben wird. Er verstand früh, welch großen Nutzen diese Disziplin aus den Datenbanken des ZPID ziehen konnte und setzte diese Erkenntnis in Form einer großen Zahl bibliometrischer Studien und auch theoretischer Arbeiten um. So dokumentierte das ZPID etwa für viele Jahre die fortschreitende Internationalisierung der Psychologie aus dem deutschsprachigen Raum. Die Beschäftigung mit den Möglichkeiten und insbesondere den Grenzen der Quantifizierung und Bewertung wissenschaftlicher Tätigkeit über szientometrische Zahlen nahm in gewisser Weise schon die Erkenntnis der Notwendigkeit darüber hinausgehender Betrachtungen und Systemanpassungen vorweg, wie sie heute durch die Open Science Bewegung in die Forschungspraxis und Forschungsbewertung Eingang gefunden haben.
Das ZPID verliert mit Leo Montada einen Fürsprecher und eine Persönlichkeit, die es fast die Hälfte seines Bestehens begleitet und erfolgreich durch kritische bis existenzbedrohende Abschnitte geführt hat. Er schuf damit die Basis, auf der seine Nachfolger*innen das Institut erfolgreich weiterentwickeln und in die Zukunft führen konnten.