Künstliche Intelligenz (KI) hat mit kommerziellen und frei verfügbaren Angeboten bereits Eingang in die breite Gesellschaft gefunden. Zu Anwendungsmöglichkeiten von KI selbst wird in verschiedenen Disziplinen geforscht. Neu ist, dass Künstliche Intelligenz auch mit psychologischen Umfragedaten und Studienmaterialien trainiert werden kann, um menschliches Denken und Handeln abzubilden und vorherzusagen. Genau dies können Forschende im Leibniz-Institut für Psychologie (ZPID) mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung und Gesundheit Rheinland-Pfalz (RLP) nun umsetzen.
Als Infrastrukturanbieter generiert und archiviert das ZPID seit mehreren Jahrzehnten Forschungsdaten und Studienmaterialien, welche nun als Trainingsmaterial für KI genutzt werden können, so dass menschliches Denken und Handeln künftig breiter erforscht und vorhergesagt werden kann. Grundlage sind zahlreiche psychologische Forschungsdaten und Studien, die unter Berücksichtigung von Personeneigenschaften mithilfe eines eigenen Modells durchsucht werden. Das Projekt Psy-AI unter der Leitung von Prof. Dr. Kai Sassenberg und Junior-Prof. Dr. Frederic Hopp kann hiermit nun mit 300.000 Euro Anschubfinanzierung von Seiten des Ministeriums starten.
“Ziel ist die Entwicklung des Modells Psy-AI. Dazu werden bestehende, offene Large Language Models (LLM) so trainiert, dass sie nicht nur Sprache erzeugen, sondern auch Vorhersagen menschlichen Verhaltens treffen und neue Zusammenhänge abbilden können. Wir trainieren sie mit qualitätsgesicherten Forschungsmaterialien und -daten, die bei uns im Institut vorliegen", erläutert Frederic Hopp. “Für uns ist es spannend, herauszufinden, wie zuverlässig Vorhersagen über die verschiedenen Bereiche des menschlichen Verhaltens möglich sind.” Die resultierenden Forschungsdaten und -ergebnisse werden im Sinne der Open Science Prinzipien auch von anderen Forschenden genutzt werden können.
Wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Nutzen
„KI als Schlüsseltechnologie ist ein zentrales Handlungsfeld der High Tech Agenda Rheinland-Pfalz. Ich freue mich, dass unsere Forschungseinrichtungen sich hier profilieren und unterstütze das Projekt Psy-AI am ZPID gerne, denn hier soll KI mit hohem gesellschaftlichem Nutzen frei zur Verfügung gestellt werden. Die entstehenden Modelle können sowohl von Unternehmen als auch von öffentlichen Einrichtungen verwendet werden. Es wird Entscheidungsträgern bei der Vorbereitung auf Krisensituationen helfen“, sagte Wissenschaftsminister Clemens Hoch bei der Übergabe des Förderbescheids am 29. Juli in Trier.
Mit dem Fördergeld wird zunächst die Hardware-Infrastruktur am ZPID ausgebaut und die Datenaufbereitung finanziert. In den Folgejahren erfolgt das schrittweise verbesserte Training der KI-Modelle und die Aufbereitung für die öffentliche Verfügbarkeit.