Berliner Kolloquium zum Gedenken Chaim Jellinek

„Bedingungen der Möglichkeit“ für die Zukunft der integrierten Versorgung gesundheitlich besonders belasteter Menschen

am Beispiel der Substitutionsbehandlung

 

„Bedingungen der Möglichkeit“ für die Zukunft der integrierten Versorgung gesundheitlich besonders belasteter Menschen am Beispiel der Substitutionsbehandlung

Berliner Kolloquium zum Gedenken an Chaim Jellinek
17. Mai 2018, 09:30 - 17:00 Uhr

Festsaal im Pavillon 7 des Vivantes Klinikums Berlin Neukölln

Erschütternde Ereignisse und absehnbare Entwicklungen stellen geschätzte Gewohnheiten und gewollte Gewissheiten in Frage. Dass aus dem Gegenwärtigen in kontinuierlicher Ausdehnung eine wünschenswerte Zukunft wächst, erscheint zunehmend als unsicher.  Wenn aktuell so viele über „Zukünfte“ sprechen, ist das ein starkes Indiz dafür, dass man sich ernsthaft um sie sorgen muss.

Auch und auf besondere Weise gilt das für die medizinische und psychosoziale Versorgung „mehr als opioidabhängiger“ multimorbider Menschen.

Mit nicht vergeblicher, manchmal sogar übermenschlicher Kraftanstrengung ist es gelungen, quantitativ und qualitativ ein erfreuliches Niveau der integrierten substitutionsgestützten Behandlung zu erreichen (Behandlungs-Zahlen, -Optionen, -Settings und -Netzwerke). Gravierende Differenzen werden dadurch umso offensichtlicher und inakzeptabler.  Bisherige Bemühungen, hie und da den Notstand zu lindern, gingen zunächst bestenfalls partiell mit Erfolgen oder begründeten Hoffnungen einher.  

Für tatsächlich erreichte Fortschritte waren immer auch „konkrete Visionen“ erforderlich.

Der Professions- und Ländergrenzen wie auch Ideologien überschreitende Blick auf Versorgungswirklichkeiten, verbunden mit dem vielfach eingelösten Anspruch, das not-wendig erst noch zu Schaffende mutig zu entwerfen, verband insgesamt fünf Berliner A.I.D.-Tagungen:

  • 1998: Mehr als abhängig. Versuche mit Methadon und Heroin

  • 1999: Mehr als abhängig. Heroinverschreibung: Wirkungen und Nebenwirkungen

  • 2000: Mehr als abhängig. „Beigebrauch“: Offene Grenzen der Substitution

  • 2001: Mehr als abhängig. Substitution: Zwischen Leben und Sterben

  • 2002: Mehr als abhängig. Schlafstörungen: Trauma, Betäubung, Behandlung

Wir sind dringend aufgerufen, auf dieser Tradition aufzubauen, indem eine kritische, ja im wahrsten Wortsinne  rücksichtslose Bestandsaufnahme zu den Fragen führt, deren Beant-wortung unerlässlich ist, um Versorgungsaufträge künftig überhaupt oder sogar besser als heute erfüllen zu können. Das ist das Vermächtnis unseres Kollegen und Freundes – und wir wollen es erfüllen!

Leitfragen

  • Wer hat warum welches Interesse daran, die integrierte Versorgung chronisch mehrfach erkrankter süchtiger Menschen künftig (überhaupt / in höherer Qualität) zu gewährleisten?

  • Was würde / dürfte das kosten? Wo sind Grenzen?

  • Welche konkreten Veränderungen (disziplinäre, inter- und transdisziplinäre) des gegebenen Versorgungssystems / welche Neuerungen sind dafür unerlässlich?

  • Wie soll es dazu kommen? Wer verantwortet was, wer steuert?

Beiträge von:

  • Toni Berthel, Winterthur

Substitution braucht keine Moral: Für einen unverkrampften Umgang mit psychoaktiven Substanzen

  • Jörg Gölz, Berlin

Nur mehr und besser oder auch anders? Zur Zukunft der integrierten Versorgung multimorbider Suchtkranker

  • Heribert Fleischmann, Wöllershof/Hamm

Zwischen Utopie und Dystopie - Zurück zu den Anfängen

  • Ellis Huber, Berlin

Eine kranke Gesellschaft braucht ihre Süchtigen

  • Dirk Schäffer, Berlin

Wie viel Paternalismus ist nötig? Das Arzt-Patienten-Verhältnis in der Substitution

  • Monika Trendelenburg, Berlin

„Double trouble“: Auch künftig ein zwiespältiges Verhältnis von Psychiatrie und Sucht?

  • Felix Tretter, München

Das bio-psycho-soziale Modell (BPSM) und die Anthropologie: transprofessionelle Handlungsorientierungen in der Versorgung?

  • Alfred Uhl, Wien

Blindheitsblindheit in der Suchtforschung

  • Uwe Verthein, Hamburg

Wissenschaftliche Evidenz und Diversifizierung der Substitutionsbehandlung

  • Thomas Wallimann-Sasaki, Zürich/Luzern

Vom Sorgen und Versorgen - Wie Werthaltungen unseren Umgang mit Menschen in Sucht und Krankheit formen

  • Uta Maria Walter, Berlin

Wollen, Können, Sollen - Die Rolle der Klinischen Sozialarbeit in der integrierten Versorgung

Moderation:

  • Klaus Behrendt, Hamburg & Bernd Westermann, Berlin

 

Kontakt:

Dr. Bernd Westermann
Projektentwicklung & Fortbildung

Notdienst Berlin e.V.
Genthiner Straße 48
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Tel: 233 240 125 (100)
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